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Current Stop: Zagreb

Ich bin müde. Müde und kaputt davon, jeden Tag das Maximale herausholen zu wollen. Jeden Tag mindestens zwölf bis hoch zu dreißig Kilometer zu laufen, jede Sehenswürdigkeit sehen zu wollen und jede einzelne Stadt bis ins kleinste Detail erkunden zu wollen.

Diese Erkenntnis trifft mich, als ich in Zagreb ankomme. Über zwei Wochen bin ich so viele Wege gelaufen, hab so viele Eindrücke von verschiedensten Städten bekommen, habe meinen Backpack von einer Stadt in die andere getragen. Ich bin in Hostels untergekommen, die mir nicht gefallen haben und andere, die mich geradezu umgehauen haben. Leute haben mich begleitet und sind wieder gefahren, außerdem habe ich Reisende aus allen Teilen der Welt kennen gelernt und Geschichten und Tipps ausgetauscht. Zeit für ein kleines Zwischenfazit.

Gerade Budapest hat mich komplett umgehauen und mir war schon im Zug nach Kroatien bewusst, dass Zagreb es schwer haben wird, mir genauso gut zu gefallen. Deswegen werde ich der Stadt mit diesem Eintrag bestimmt auch nicht gerecht. Leider war hier bei meiner Ankunft die Saison schon vorbei und so war das Hostel unfassbar ruhig und leer – das komplette Gegenteil zum Vitae Hostel in Budapest. Da ich vorher 24/7 Menschen um mich hatte, fühlte ich mich direkt ein wenig einsam. Ich denke, dass viele die Ruhe zwischendurch genießen würden und wahrscheinlich hatte ich sie auch bitter nötig. Trotzdem war es plötzlich komisch, mit seinen Gedanken ganz für sich allein zu sein – was sich später aber noch als wahrer Glücksgriff herausstellte.

Tag 1:
Da ich ziemlich spät in Zagreb ankam, bin ich nur noch ins Bett gefallen. Für meinen ersten richtigen Tag nahm ich mir dann wieder die altbekannte Sightseeing-Tour vor. Das Hostel liegt ein bisschen außerhalb vom Stadtzentrum und so bin ich wieder ca. 4 Kilometer gelaufen, bevor ich überhaupt die schöne Innen- und Altstadt sehen konnte. Und so holte mich nach dem Laufen wieder meine Müdigkeit ein. Ich zog langsam und ohne wirklichen Plan durch die Gegend, viele Fotos sind auch nicht entstanden.

Die Stadt hat auf jeden Fall eine Menge Charme mit alten Gebäuden, süßen Cafés und Restaurants und vor allem mit vielen traditionellen Elementen. Zum Beispiel bin ich an einer Art Stadtfest vorbeigekommen, bei dem typisch-kroatische Musik gespielt wurde und die Darsteller auf den verschiedenen Bühnen die traditionellen Trachten getragen und zur Musik getanzt haben. Überall sind kleine Märkte oder Stände, an denen Decken, Kleider o.ä. verkauft werden und man sofort erkennt, dass man sich in Kroatien befindet. Wie so viele andere Reisende gesagt haben, die ich vorher getroffen habe: „Oh, you’re going to Croatia? You will love it! It’s so lovely!“
Yes, it is. Nur war ich es an dem Tag nicht. Deswegen möchte ich fair bleiben: Zagreb ist mit Sicherheit eine Reise wert und ich glaube mit der richtigen Begleitung kann man es auch noch einmal stärker genießen. Ich war einfach zu müde, um auch diese Stadt vollkommen erkunden zu können.

Was ich empfehlen kann: The Museum of Broken Relationships. Klingt hart – ist es auch. Dort sind verschiedenste Gegenstände ausgestellt, die Menschen aus aller Welt mit der dazugehörigen Geschichte eingeschickt haben, um von ihrer „zerbrochenen Beziehung“ zu erzählen. Teilweise witzig, teilweise unfassbar traurig, sodass es mir die Tränen in die Augen getrieben hat.
Und wer danach nicht seinen Eltern schreibt, dass er sie lieb hat, muss ein paar Geschichten nicht richtig gelesen haben 😀

 

Nach meiner quasi-Sightseeing-Tour habe ich mir selber eingestanden, dass ich einfach zu müde und kaputt bin. Und dass ich keine vier Tage in Zagreb bleiben wollte. Also bin ich zurück ins Hostel und habe umgeplant. 😊

Tag 2:
Meine erste Planänderung war, dass ich Tickets zum Plitvice Lake National Park gebucht habe. Meine zweite Änderung werdet ihr im nächsten Blogpost erfahren 🙂

Die Plitvicer Seen sind ganz ehrlich einer der schönsten Orte, die ich je gesehen habe. Jeder Cent hat sich gelohnt und ich würde es absolut jedem empfehlen, der sich in der Nähe befindet. Eine Tour zu buchen, ist meiner Meinung nach nicht nötig. Alles ist ziemlich gut ausgeschildert und man kann auf eigene Faust den gesamten Park entdecken. Highlights sind auf jeden Fall der Große Wasserfall und die Aussicht vom obersten Aussichtspunkt auf der Hiking-Route.

Richtig in Worte zu fassen, sind meine Eindrücke nicht. Deswegen lasse ich an dieser Stelle lieber ein paar Bilder sprechen:

Ich bin absolut froh, dass ich mich so spontan dazu entschlossen habe und werde mir für die nächste Reise merken, dass ich meine Zeit nicht nur in großen Städten verbringen muss, sondern auch kleinere Ortschaften und die Natur erkunden kann –  vor allem, da ich gemerkt habe, dass ich gerne wandere und lange Strecken zu Fuß erledigen möchte. Trotzdem war es für mich, als absoluter Europa-Neuling, richtig und sinnvoll zunächst die Hauptstädte der verschiedenen Länder zu sehen. Aber es wird bestimmt nicht meine letzte Europatour gewesen sein, so viel steht jetzt schon fest.

Fazit:
Mein Fazit ist weniger darauf bezogen, wie ich während meines Stops in Zagreb die Stadt empfand, sondern viel mehr welche Gedanken mich währenddessen beschäftigt haben. Ich denke, eine genaue Meinung zu Zagreb konnte ich mir eh nicht bilden. Und das ist auch okay so. Ich habe zwei sehr bewegende Spots gesehen und erkundet und das reicht mir dieses Mal tatsächlich auch. Denn vielleicht haben mich der eine Museumsbesuch und der Ausflug in den Nationalpark sogar mehr bewegt, als die Besichtigung mancher Sehenswürdigkeiten in Prag, Bratislava oder Wien.
Der Vorteil des Alleinreisens ist allerdings, dass man unheimlich viel Zeit hat, um nachzudenken. Ja, manchmal kann es sich auch ins Negative wandeln. Dieses Mal hat es sich aber als Glücksgriff herausgestellt, denn ich hab einige Erkenntnisse für mich selber mitgenommen: Es ist okay, auch mal Pausen zu machen. Man muss nicht jeden Tag 100 Prozent geben. Und man sollte definitiv öfter seinem Herzen folgen und das tun, worauf man Lust hat. Daher kann ich auch die folgende Aussage treffen:

Next Stop: Ljubljana

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2 Kommentare zu „Current Stop: Zagreb

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