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Nachtgedanken

Es ist nach Mitternacht. Ein total stressiger Tag liegt hinter mir, ein noch anstrengender Tag wird in weniger als sechs Stunden mit dem Wecker eingeläutet. Diese Woche ist die Uni wieder angefangen und damit Vorlesungen, Projektaufgaben, Bücher wälzen etc. Ich bin total begeistert von meinem Studium, die Themen sind interessant, die Veranstaltungen spannend gestaltet und auf die anstehenden Aufgaben freue ich mich schon. Dennoch: Das Studium und vor allem dieses Semester ist und wird anstrengend, die erste Woche hat das schon unter Beweis gestellt.

Eigentlich sollte ich also total erschöpft und müde sein. Aber trotzdem kann ich nicht schlafen, liege hellwach im Bett. Daher habe ich beschlossen, meinen Gedanken freien Lauf zu lassen und sie niederzuschreiben. In meinem Kopf sind tausend Tabs offen und Gedanken über anstehende Projekte, die Bewerbungen und Anforderungen an den Master, zum Nebenjob und zu Planungen und der Organisation der nächsten Wochen schleichen sich immer wieder ein. Das ist aber nicht das, was mich gerade wach hält; es geht eher um etwas anderes.

Ich bin jetzt 21 Jahre alt und habe in weniger als einem Jahr mein Bachelorstudium abgeschlossen. Nach meinem Bachelor folgt der Master, das ist für mich sicher. Und dann? Keine Ahnung. Für manche mag das unvorstellbar sein, viele fangen schon direkt nach der Schule eine Ausbildung an und bleiben dann ihr Leben lang in dem Beruf. Diese Leute wird es vielleicht aufregen, dass ich mit 23 Jahren – geplant, mal sehen wie sich alles entwickelt – dann nicht weiß, wo es hingeht. Noch ein Jahr ins Ausland? Durch verschiedene Praktika erforschen, wo ich mich am wohlsten fühle? Mehrere Städte kennenlernen und mich noch nicht fest an einen Ort binden? Ein Jahr mal hier und  dann mal dort arbeiten? Oder vielleicht doch direkt die perfekte Stelle zur richtigen Zeit am richtigen Platz finden? Wer weiß! Anderen würde das vielleicht Angst machen.

Ganz ehrlich: Ich kann gerade weder aus Angst, noch aus Nervosität darüber nicht schlafen. Die letzten Tage habe ich mich mit Gedanken darüber verrückt gemacht, was alles möglich wäre und was nicht. Was ich zusätzlich zu der Uni noch alles erledigen muss, um in einem Jahr an einem bestimmten Ort zu sein. Die letzten Jahre wollte ich immer genau den einen perfekten Plan verfolgen, um dann direkt zu einem Ziel gekommen. Und gerade in dieser Sekunde? Jetzt gerade freue ich mich einfach darüber, was wir alles für Möglichkeiten haben. Das ist ein Privileg, auf jeden Fall! Definitiv kann nicht jeder auf der Welt frei entscheiden und hat so viele verschiedene Optionen wie viele von uns hier. Daher sollten wir es viel mehr wertschätzen.

Wir sollten uns ausprobieren, auch mal Fehler machen dürfen. Wir sollten verschiedene Wege gehen, bei Kreuzungen auch mal die falsche Abbiegung nehmen. Wir sollten versuchen, alle Möglichkeiten auszuschöpfen und ganz unterschiedliche Optionen testen. Wir müssen nicht den einen perfekten Plan verfolgen, jeden Schritt vorher ganz genau und bis ins kleinste Detail überdenken. Und das ist gut so.

Wir haben so viel vor uns. Es gibt so viel zu erleben. So viele Momente zu leben. Verschiedenste Orte und Kulturen wollen entdeckt werden. Das Leben ist nicht dafür da, um nicht ausgeschöpft zu werden. Auch die Gesellschaft hat sich meines Erachtens in der Hinsicht ziemlich gewandelt. Es wird respektiert, wenn man sich ausprobiert. Es wird fast schon gewünscht, mal andere Städte und Länder erkundet zu haben. Und keiner nimmt es einem übel, wenn man mit Mitte oder Ende zwanzig noch nicht den einen Beruf für sich gefunden hat.

Dieser Gedankengang war ziemlich ungeordnet. Der Post vor allem dafür verfasst, mich selber daran zu erinnern. Dass ich dankbar bin. Dankbar für die ganzen Möglichkeiten, die wir haben; die uns geboten werden. Dankbar für den Studiengang, den ich gewählt und die Stadt für die ich mich damit entschieden habe. Dass ich mich gerade jetzt super wohl fühle, genau da, wo ich bin. Dankbar für die Menschen, die mich dabei begleiten und mich unterstützen. Aber dass ich auch gespannt und auf positive Art und Weise aufgeregt bin auf das, was noch kommt. Dass alles gut werden wird. So, wie immer alles gut wird. Dass ich die Tabs in meinem Kopf einfach mal für ein paar Momente schließen sollte und genießen und wertschätzen sollte, wo ich jetzt bin. Dass ich die ganzen Optionen als Chance sehen sollte und nicht als etwas, wovor man Angst und Respekt haben müsste.

Das Leben ist schön und bietet unfassbar viele tolle kleine und große Momente. Und egal, was kommt und wo man irgendwann landen wird, das Leben ist ein Geschenk und hinter jedem Schritt liegt eine Chance. Man muss sie nur als solche erkennen und sie ergreifen. Und damit: Gute Nacht. 🙂

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